Ob beim Wandern und Tourengehen in den österreichischen Alpen oder beim Navigieren komplexer Healthcare-Prozesse: Lisa Flixeder nimmt gerne neue Herausforderungen an und schafft es, dabei immer den Überblick zu behalten. Als neues Teammitglied an unserem Standort Sycor Austria in Salzburg verbindet sie analytische Stärke mit Ausdauer und spürbarer Leidenschaft für den Healthcare-Bereich.
In einer Branche, die lange als „Male Field“ galt, zeigt Lisa, wie selbstverständlich Frauen heute die IT-Welt mitgestalten. Ihr strukturiertes Vorgehen, ihre Neugier und ihr Mut, auch unbequeme Fragen zu stellen, machen sie zu einer Stimme, die nicht nur gehört wird, sondern neue Impulse setzt und die ERP-Welt mitgestalten. Bereits im März war sie auf der Regularia vertreten, einem Medizintechnik-Forum, das durch Medical Mountains heuer erstmalig mit großer Resonanz organisiert wurde.
Für mich sind Offenheit und ehrliches Interesse die Basis. Ich möchte verstehen, wie ein Unternehmen tickt:
Wer arbeitet an welchen Stellen? Welche Herausforderungen prägen den Alltag? Wo möchte die Organisation in zwei, drei Jahren stehen?
Manche kommen bereits mit viel Vorwissen oder haben bereits vorherige Implementierungsprojekte begleitet, andere benötigen mehr ERP-Orientierung, weil sie zuvor mit selbstgebastelten Excel-Mappen und zahlreiche Workarounds gearbeitet haben. Dieses Gespür für den Reifegrad hilft enorm, die Inhalte passend aufzubereiten und gleichzeitig niemanden zu überfordern.
Parallel dazu ist die interne Abstimmung mit den Fachexpert:innen aus der Beratung enorm wichtig. Man unterschätzt leicht, wie viel Planung, Detailarbeit und Feinschliff hinter jedem einzelnen Case steckt.
Am stärksten wirkt es, wenn man sich wirklich in die Perspektive des Interessenten hineinversetzt und dessen Prozesse im System zeigt. Dabei ist man natürlich auf jede relevante Info angewiesen. Besonders eindrucksvoll ist es, wenn wir mit reellen Kundendaten und Prozessen arbeiten, zum Beispiel im Produktionsprozess eines Pharmakonzerns direkt mit den relevanten Wirk- und Zusatzstoffen, die sich dann in den Formeln und Arbeitsplänen wiederfinden. Dann entsteht sofort Wiedererkennung und die Demo fühlt sich nicht abstrakt an, sondern wirklich greifbar an.
Was ebenfalls gut ankommt, sind die Möglichkeiten eines so komplexen Systems wie Microsoft Dynamics 365 Finance & Operations. Es gibt oft mehrere verschiedene Wege, eine Anforderung abzubilden, das Unternehmen kann selbst entscheiden, welcher Ansatz am besten zu ihren Anforderungen und Zukunftsvorstellungen passt. Was Kunden sehen möchten, ist nicht nur, dass man das System “versteht”, sondern dass man auf die Prozesse der Branche eingeht.
Innovation und Standard sollten sich auf keinen Fall gegenseitig ausschließen, ein ERP soll schließlich kein Bremsfaktor sein, sondern die Fortbewegung und vor allem kaufmännische Prozessabläufe unterstützen und compliant gestalten. Bei Themen, die branchenweit etabliert sind, macht es durchaus Sinn, sie ähnlich zu betrachten und nah am „System“-Standard zu bleiben, damit zukünftige Releases einfacher sind. Dort, wo ein Unternehmen seinen echten USP hat, lohnt sich aus meiner Sich ein zweiter Blick.
Den Anspruch, dass ein ERP „alles können muss“, halte ich heute für überholt. Ich sehe ERP eher als Datendrehscheibe im Ökosystem: So bleibt genug Raum, um mit Low‑Code‑Apps, Automatisierungen, BI-Lösungen oder KI‑Integrationen zu experimentieren und „on-top“ zu verwenden, ohne den „Standard zu verbiegen. Vorausgesetzt, die Datenqualität ist sauber..
Meine ersten Berührungspunkte mit IT‑Prozessen hatte ich im Projektmanagement einer Klinik. Dort saß ich oft mit technischen ExpertInnen am Tisch und merkte, wie sehr es mich störte, nicht wirklich „in der gleichen Sprache“ mitreden zu können. Ich habe das große Ganze verstanden, aber nicht, wie die Systeme im Hintergrund zusammenspielen müssen, damit Prozesse überhaupt abbildbar sind. Gleichzeitig haben mich IT‑Projekte fasziniert, weil man vergleichsweise schnell Ergebnisse sieht und Teams sehr logisch und lösungsorientiert zusammenarbeiten.
Diese Lücke war der Auslöser, berufsbegleitend ein Masterstudium zu starten und auch beruflich in die IT‑Prozesslandschaft einzutauchen. So konnte ich viele unterschiedliche Unternehmensprozesse im ERP‑Kontext kennenlernen.
Ich mag es, in ganz unterschiedlichen Unternehmensbereichen unterwegs zu sein und Prozesse von Anfang bis Ende zu durchdringen. Besonders spannend finde ich, die Bedürfnisse meines Gegenübers zu verstehen und sie so ins System zu übersetzen, dass der Kunde sich selber im neuen System auch wiedererkennt. Ich teste auch gerne Dinge aus, suche Fehler oder schaue mir an, wie verschiedene Systeme funktionieren und wie bestimmte Prozesse umgesetzt sind. Genau das macht den Reiz aus und erklärt auch, warum ein ERP‑Wechsel für User manchmal so herausfordernd ist.
Mir hilft vor allem ein niedrigschwelliger Zugang und ein „Learning-by-doing“. Die Job- und Weiterbildungsmöglichkeiten sind heutzutage unglaublich vielfältig, und man muss kein Vollblut‑Developer mehr sein, um hier Fuß zu fassen zu können. Das spiegelt sich auch bei den Quereinsteiger-Zahlen wider, es gibt zahlreiche Berufe, die sich in den nächsten Jahren auch noch mit Sicherheit ganz stark verändern werden und zwischen IT und den Fachbereichen liegen.
So eine Vielfalt kann gleichzeitig auch verunsichern. Deshalb wünsche ich Einsteiger:innen mehr Mut, ins kalte Wasser zu springen und weniger Druck, technische Details sofort perfekt verstehen zu müssen. Lernen passiert hauptsächlich unterwegs.
Danke, Lisa, für deine Aufgeschlossenheit & deinen inspirierenden Blick, im System als auch am Berg.
